Gegenwärtige Einstellung zu chronischen Wunden

Elżbieta Szwałkiewicz

Landesberaterin im Bereich der Krankenpflege von chronisch Kranken und Behinderten

Einer der Faktoren für die Bewertung der Pflegequalität über eine dauerhaft immobile Person ist der Hautzustand an Stellen, die einem ständigen Druck ausgesetzt sind. Es scheint, als ob Krankenschwestern alles über die Dekubitusprophylaxe wissen und deshalb überlege ich, was die Ursache für so häufiges Auftreten von Dekubitus bei Personen unter ständiger krankenpflegerischer Obhut ist.

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Der Ausmaß dieses Phänomens berechtigt zur Behauptung, dass wir in unserem Land mit allgemeinen und sehr ernsten Vernachlässigungen bei der Kranken- und Behindertenpflege zu tun haben, sowohl in stationären Gesundheits- und Sozialhilfeanstalten, als auch zu Hause. Diese Vernachlässigungen sind die Ursache für große Leiden und generieren ernste Behandlungs- und Fürsorgekosten.

Zum Thema Dekubitus gab es schon mehrere Veröffentlichungen, die sich auf zahlreiche medizinische und statistische Forschungen berufen. Darin wiederholen sich dieselben Schlüsselinformationen:

  • ätiologischer Hauptfaktor ist Druck auf die Gewebe über die Knochenwölbungen, was zur Nekrosenentwicklung und dann Geschwürbildung führt,
  • zur Hautbeschädigung kommt es im Ergebnis eines wiederholenden Drucks, der den mittelmäßigen Druck in Haargefäßen der Haut (32 mmHg) übersteigt, fördernder Faktor ist auch Empfindungsstörung,
  • Dekubitusentstehung beschleunigt auch Hautmazeration, die Folge der erhöhten Feuchtigkeit im Zusammenhang mit der Harn- und Stuhlinkontinenz oder Schweißen ist,
  • die häufigste Stelle sind Bereiche um Kreuzbein, Sitzbeinhöcker, Trochanter, Knöchel und Fersen,
  • jeder immobiler Patient ist mit Dekubitusentstehung bedroht,
  • es sind moderne Technologien anzuwenden, die der Druckminderung auf die Haut dienen, z.B. Matratzen mit Sonderaufbau, Kissen, Stoffe und Geräte zur Gleitbewegung, moderne Schutzverbändeund Behandlungsverbände, Hilfsmittel mit Harneinsaugung,
  • man darf sich nicht nur auf die örtliche Dekubitusbehandlung konzentrieren.

Grundsätzliche Prophylaxegrundlagen beziehen sich auf:

  1. richtige Ernährung – entsprechende Verabreichung von Eiweiß, Kalorien und Flüssigkeiten, sowie Verhinderung des Auftretens von negativer Stickstoffbilanz, Schwächung und Entwässerung.
  • Minderung oder Ausschließung des Druck und Hautreibens – diesen Effekt erzielt man durch Verwendung von Matratzen und Dekubituskissen, häufige Änderung von Körperstellung, Anwendung von richtigen Aufhebungs- und Bewegungsgrundlagen des Patienten,
  1. bedingungslose Beachtung von grundsätzlichen Pflegegrundsätzen für Personen mit Harninkontinenz (auch Stuhlganginkontinenz), darunter:
  • tägliches Waschen und Waschen nach jeder Verunreinigung mit Exkrementen,
  • systematische Prüfung des Gesundheitszustands an den der Feuchtigkeit ausgesetzten Stellen,
  • Verwendung von Absorptionsmitteln, die an Miktiongröße angepasst sind,
  • Nichtzulassung von Entzündungszuständen der Haut durch Verwendung von fachlichen Schutzverbänden,
  • Hautschutz vor Austrocknung und Reizfaktoren (Harn und Schweiß) durch Verwendung von entsprechenden Pflegemitteln.

Moderne Einstellung zur Dekubitusbehandlung und sonstigen chronischen Wunden bevorzugt eine Wundbehandlung in feuchter Umgebung mit Anwendung von verschiedenen Spezialverbänden, die abhängig von Wundart und Stelle anzuwenden sind.

Forschungen, sowie praktische Erfahrungen bewiesen, dass die erhöhte Feuchtigkeit in der Wunde Oberhautaufbau, und damit den Wuchs des Bindegewebes unter Oberhaut, unterstützt. Spezialverbände beeinflussen im Verhältnis zu den traditionellen Mullverbänden auch die Heilungsgeschwindigkeit. Sie verhindern die Beschädigung von junger Oberhaut bei jedem Verbandwechseln und die darin enthaltenen Stoffe positiv beeinflussen die Wundreinigung und -heilung. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache des wirksamen Schutzes des Wundinneren vor Außenfaktoren, sowie die Möglichkeit der Durchführung von gewöhnlichen Hygienemaßnahmen ohne Verbandwechsel.

Das Behandlungsverfahren (auch Verbandauswahl) und seine Kosten hängen von der Wundart und Heilungsphase ab. Manche Wunden werden durch mehrere Monate behandelt, manchmal mehr als ein Jahr. Häufig treten sie im Heilungsvorgang auf, und die gefährlichsten von ihnen verursachen Infektionen. Eine nicht gesicherte Wunde kann mit Bakterien, Viren und Pilzen verunreinigt werden. Sie vermehren sich gewaltig und vergiften die Gewebe mit ihren Sekreten. Infektion der Wunde kann schnell bis auf Sepsis umwandeln, was das Leben des Patienten bedroht. Behandlungskosten der infizierten Wunden steigen vor allem wegen der Notwendigkeit des Verbrauchs von großen Mengen der Fachverbände, und Anwendung von teuren Antibiotika. Als Landesberaterin beobachte ich mit Beunruhigung, dass die Zahl von Personen mit Leiden wegen Dekubitus, sowie sonstigen chronischen Wunden trotz langjähriger Ausbildungskampagne nicht senkt. Verantwortung für diesen Zustand tragen nicht nur die Krankenschwestern, sondern auch Personen, die für die Gestaltung der Umgebungsbedingungen für die Krankenpflege von Patienten und nicht selbstständigen Personen verantwortlich sind, sowie Gesundheitsfonds, als Kostenträger für die Behandlung. Es ist auch schwer nachzuvollziehen, dass der Gesundheitsfonds keine Berichte über das Auftreten von Dekubitus bei Patienten und den Behandlungsverlauf erfordert. Die Abtrennung des Verfahrens für Dekubitusbehandlung und Belastung der Anstalt, wo die Dekubitalgeschwüre entstanden sind, mit Kosten, würde die Bildung von entsprechenden Bedingungen aktivierend beeinflussen, die die Dekubitusprophylaxe unterstützen könnten. Es soll hier auch die Tatsache berücksichtigt werden, dass manche chronische Wunden kein Ergebnis von Vernachlässigungen sind, sondern sich aus physikalischem Zustand des Patienten ergeben; dies betrifft meistens die zum Ende neigende Dauerphase des biologisch zerstörenden Krebs.

Im Rahmen des eigenen Berufspraktikums hatte ich die Möglichkeit, die außergewöhnliche Wirksamkeit von modernen Speziaverbänden bei Dekubitusbehandlung zu beobachten. Selbstverständlich sollen Krankenschwestern das Wissen über alle bekannte Behandlungsarten von chronischen Wunden, nicht nur über Dekubitus, sondern auch Unterschenkelgeschwürbildung, Krebsgeschwüre, diabetisches Fußsyndrom und Verbrennungen haben. Am wichtigsten ist es, dass wir alles wissen, dass die Nichtbeachtung von grundsätzlichen Prophylaxegrundlagen und Patientenaussetzung auf Dekubitus oder auf sonstige chronische Wunden unzulässig sind. Gesundheitliche und finanzielle Konsequenzen der falschen Ersparnis von Saugmitteln und Schutzverbänden sind sehr ernst, und zwar nicht nur für den Patienten, aber auch für die Krankenschwestern und Anstalt, wo sie arbeiten.