Dekubitalgeschwüre

Entstehungsursachen
Risikogruppen
Symptome
Lokalisierung
Bei wem Rat holen
Welche Behandlung
Vorbeugung


Entstehungsursachen

Die Ursache der Dekubitusentstehung besteht in Ischämie infolge des Drucks auf Venen und Arterien. Das Risiko der Dekubitusentstehung hängt von Dauer der Druckkraft ab – je länger die Druckdauer oder höher die Druckkraft, desto größere Wahrscheinlichkeit der Dekubitusbildung.

Bei gesunden Personen verursacht der sich verlängernde Druck Schmerz, die zur Änderung der Position zwingt.

Bewusstlose oder stillliegende Personen haben keine Möglichkeit, gedruckte Stellen automatisch zu entlasteten und den Kreislauf zu verbessern, somit gehören sie zur Gruppe von Personen mit erhöhtem Risiko zur Dekubitusbildung.

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Pathomechanismus der Dekubitusbildung:

  • üblicher Druck, also Druck, der auf die Weichgewebe von einer Seite durch das Gerippe, und von der anderen Seite durch festen Boden ausgeübt wird
  • Reiben mit der Körperoberfläche des Kranken gegen die Bettwäsche, z.B. bei Anwendung ungeeigneter Technik der Positionsänderung
  • seitliche Zugkräfte, mit denen wir direkt auf die Körperoberfläche des Kranken einwirken

Risikogruppen

Das Risiko der Dekubitusentstehung bei allen Personen mit dauerhafter Einschränkung von Fähigkeiten zur selbständigen Bewegung, die die meiste Zeit im Bett oder Rollstuhl verbringen.

Faktoren, die das Risiko der Dekubitusentstehung erhöhen:

  • Alter
  • Gewicht
  • Ernährungszustand
  • Funktion des Schließmuskels der Harnröhre und Afters
  • Bewusstseinszustand
  • Diabetes, Arteriosklerose
  • Steroidtherapie

Symptome

Dekubitalgeschwüre teilen sich nach dem Fortschritt der Symptome in 4 oder 5 Graden. Nämlich:

  • Grad 1 – unter dem Druck erblassende Rötung, reaktive Hyperämie und Rötung in Antwort auf den einwirkenden Druck, Mikrokreislauf ist noch nicht beschädigt.
  • Grad 2 – unter dem Druck nicht erblassende Rötung, Mikrokreislauf ist beschädigt, es entsteht Entzündung und Anschwellung des Gewebes, manchmal Hautschädigung, örtliches Schmerzgefühl.

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  • Grad 3 – Schürfung, Risse in der Epidermis und Beschädigung der ganzen Hautdicke bis zur Grenze mit dem Unterhautgewebe, Blase, gut abgetrennte Wundenränder, umgeben mit Ödem und Erythem.
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  • Grad 4 – Beschädigung erstreckt sich in Richtung des Unterhaufettgewebes, die Geschwürbildung kann frei von Nekrose und Entzündung sein und mit reinem Granulationsgewebe bedeckt werden, oder kann die Nekrose das Fettgewebe oder umgebende Hautschichten umfassen. Der Boden kann mit schwarzer Nekrose bedeckt werden.
  • Grad 5 – Vorhandensein der fortgeschrittenen Nekrose, die sich in Richtung der Faszien und Muskel erstreckt, die Zerstörung kann auch Gelenke und Knochen umfassen – übler Geruch und starker Ausfluss des eitrig-nekrotischen Materials, in der Wunde befinden sich zerfallende Gewebemassen und schwarze Nekrose.

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Lokalisierung

Dekubitalgeschwüre entstehen an Stellen, wo die Entfernung zwischen den Knochenausbuchtungen und Hautoberfläche am kleinsten ist oder anders gesagt – an Berührungsstellen von Haut mit dem Boden, wo der Druck am größten ist. Am häufigsten bilden sich Dekubitalgeschwüre in Umgebung des Kreuzbeins, Steißbeins, Gesäßes, an Fersen oder Hüften.

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Die obigen Abbildungen zeigen Berührungsstellen der Haut mit Boden bei verschiedenen Positionen des Kranken im Bett.

Bei wem Rat holen

Selbstverständlich in erster Reihe beim Hausarzt.

Die Behandlung von Dekubitalgeschwüren gehört zu Kompetenzen des Arztes oder der Krankenschwester, die einen Fachkurs im Bereich der Behandlung von chronischen Wunden abgeschlossen hatte. Die Kompetenzen der Krankenschwester sind auf die Behandlung von Dekubitalgeschwüren des Grades 1 bis 3 beschränkt.

Manchmal erfordert der Zustand der Wunde ihre chirurgische Reinigung, in diesem Fall werden wird durch den Hausarzt zum Facharzt für Chirurgie überwiesen.

Die Behandlung von Dekubitalgeschwüren ist schwierig und langandauernd, damit sie nicht zu teuer und erfolgreich wird, muss sie auf offener und systematischer Zusammenarbeit des Patienten mit dem Arzt beruhen und mit intensiver, professioneller Pflege verbunden sein.

Welche Behandlung

Vor allem unter Betreuung des Arztes oder Krankenschwester.

Dekubitalgeschwüre werden lokal behandelt, die Wunde wird mit entsprechenden Verbänden gesichert.

Ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung ist auch richtige Patientenpflege, zu der folgendes gerechnet wird:

  • Positionsänderung – der Patient sollte nicht auf dem Dekubitus liegen
  • Legen des Patienten auf der Antidekubitusmatratze
  • Sicherung von kranken Stellen mit speziellen Antidekubitusrollen und -stützen
  • entsprechende Ernährung und Bewässerung des Kranken
  • Kontrolle von begleitenden Krankheiten

Die erfolgreichste Behandlungsform von Dekubitalgeschwüren ist die Anwendung von speziell zu diesem Zwecke entworfenen Verbänden, also sog. Spezial- und modernen Verbänden, die in der Wunde eine feuchte Heilungsumgebung bilden.

Die Wahl eines geeigneten, wirksamen Verbands besteht in richtiger Diagnose der in der Wunde verlaufenden Prozesse. Um dies zu erleichtern, kann die bunte Wunden-Klassifikationsmatrix verwendet werden, die sich auf Beobachtung der Phänomene, die in jeweiligen Heilungsphasen erfolgen, beruht.

Bunte Wunden-Klassifikationsmatrix:

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Schwarze Wunden

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Wunden mit schwarzer Nekrose erfordern:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung
  • Entfernung des nekrotischen Gewebes zwecks Initiierung des Heilungsprozesses

Der Heilungsprozess erfolgt nicht unter dicken Schichten des nekrotischen Gewebes, um ihn zu beginnen, ist zuerst die Nekrose zu entfernen. Zur Wahl stehen zwei Grundverfahren zur Entfernung von Nekrose vom Boden der Wunde:

  • chirurgische Wundbehandlung – beruht auf mechanischer Entfernung des nekrotischen Gewebes zwecks Enthüllung von gesunden Hautstrukturen für Initiierung des Heilungsprozesses.
  • Anwendung von interaktiven Verbänden – beruht auf dem Anlegen des Verbands auf die Wunde, der den Autolyse-Prozess, also natürlichen Wundbehandlung durch den Organismus, stimuliert. In diesem Fall verursachen Enzyme, die durch beschädigte Wundzellen erzeugt werden, den Zerfall der Nekrose. Die wirksamsten in dieser Gruppe sind Hydrogel-Verbände, darunter Medisorb G.

Empfohlene Verbände für schwarze Wunden:

Gelbe Wunden

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Wunden mit gelbem, verflüssigtem nekrotischem Gewebe erfordern:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung
  • Aufnahme des Überflusses am Exsudat zusammen mit Resten des nekrotischen Materials

Wunden mit Kolliquationsnekrose charakterisieren sich durch erhöhten Sekretionsgrad. Die am Wundboden verbleibende Nekrose ist flüssig. Solche Wunden bilden eine ideale Umgebung für Entwickelung von Mikroorganismen, deshalb werden sie oft infiziert. Aufgaben des Verbands sind im diesen Fall die Aufnahme des Exsudats und nekrotischen Materials, Verflüssigung der zu trockenen und dichten Nekrose, Nichtzulassung zur Austrocknung der Wunde, Schutz von Nebenverletzungen.

Empfohlene Verbände für gelbe Wunden (abhängig von Exsudat-Menge und Wundtiefe):

  • Medisorb A – Alginantverband – starker oder mittelstarker Exsudat; Oberflächen- und Tiefwunden
  • Medisorb P – Absorptionsverband – starker oder mittelstarker Exsudat; Oberflächenwunden
  • Medisorb H – Hydrokolloidverband – mittelstarker oder schwacher Exsudat; Oberflächenwunden

Rote Wunden

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Wunden mit sichtbarem rotem Granulationsgewebe erfordern:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung
  • Schutz von sekundärer Infektion
  • Kontrolle des Exsudatsniveaus

Außer Erhaltung der feuchten Umgebung erfordern solche Wunden auch den Schutz vor eventueller mechanischer Beschädigung. Es ist besonders wichtig, weil gut vaskularisiertes Granulationsgewebe anfällig für Verletzungen, die den Heilungsprozess hemmen und zur Infektion führen können, ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Erhaltung entsprechender Temperatur (ähnlich der Körperwärme), sodass neue Zellen sich optimal schnell entwickeln können.

Empfohlene Verbände für rote Wunden (abhängig von Exsudat-Menge und Wundtiefe):

  • Medisorb A – Alginantverband – starker oder mittelstarker Exsudat; Oberflächen- und Tiefwunden
  • Medisorb P – Absorptionsverband – starker oder mittelstarker Exsudat; Oberflächenwunden
  • Medisorb H – Hydrokolloidverband – mittelstarker oder schwacher Exsudat; Oberflächenwunden

Rosawunden

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Rosahautwunden erfordern:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung
  • Schutz des empfindlichen Gewebes

Beginnt sich die Wunde mit der Haut zu decken bedarf sie Schutz vor Austrocknung, Schürfung und anderen Faktoren, die neu gebildete Gewebe beschädigen können.

Empfohlene Verbände für Rosawunden (abhängig von Exsudat-Menge)

  • Medisorb H – Hydrokolloidverband – mittelstarker oder schwacher Exsudat; Oberflächenwunden
  • Medisorb F – Folienverband – schwacher Exsudat

Die Analyse von Heilungsphasen erlaubt zu bemerken, dass die sich in verschiedenen Heilungsertappen befindenden Wunden etwas andere Bedingungen bedürfen, damit der Prozess einwandfrei verläuft. Es ist zu beachten, dass sich die Wunden außer dem Heilungsstadium auch im Hinblick auf den Umfang, Tiefe, Vorhandensein vom nekrotischen Gewebe und Sekretionsgrad unterscheiden. Alle diese Merkmale verursachen, dass jede Wunde die Wahl entsprechender Verbandsart, manchmal mehrerer Verbände, die sich während Heilungsprozesses abwechseln werden, erfordert. Nachstehend befindet sich eine Tabelle mit Faktoren, die die Wundheilung hemmen können.

Tabelle: Faktoren zur Hemmung der Wundheilung

hemmende Faktor 

warum optimale Bedingungen  wie wirkt es in optimalen Bedingungen 
trockene Umgebung feuchte Umgebung entsprechendes Exsudatniveaus an der Wunde: ermöglicht die Aktivierung des natürlichen Wundreinigung, Granulation sichert schnellen und richtigen Verlauf der Hautbildung
nekrotisches Gewebe Wundheilung ist möglich nur nach Entfernung des nekrotischen Gewebes, die Nekrose kann die Grundlage zur Entwicklung einer Infektion sein chirurgische/ autolytische Wundheilung gereinigte Wunde ermöglicht den Beginn der Granulationsphase
Infektion alle Mechanismen in der Wunde zielen auf die Bekämpfung des Eindringlings ab, der Heilungsprozess ist gehemmt Infektion bekämpfen gereinigte Wunde ermöglicht den Beginn des Heilungsprozesses

Vorbeugung

Grundregeln:

  • systematische Positionsänderung je 2 Stunden und Verminderung des Drucks an gefährdeten Stellen durch Anwendung von Antidekubitusmatratzen und -unterlagen
  • entsprechende Ernährung und Bewässerung
  • Sicherung der Haut durch Anwendung von atmenden Hilfsmitteln – Windel-Slips, spezielle Absorptionsverbände – Polyurethanfolienverband, und entsprechenden Pflegemitteln
  • Nachwiesen von Symptomen und Änderung der Körperposition