Behandlung von chronischen Wunden in einer feuchten Umgebung

Effektive Behandlung von chronischen Wunden
 Eigenschaften eines perfekten Verbands
 Wie wird der Verband an die Wunde angepasst?


„(…) sie treten sogar bei einer halben Million von Personen in unserem Land auf. Wenn man zu dieser Zahl Familienmitglieder zurechnet, die sich um diese kümmern, steigt diese Zahl bis auf 1,5 Million von Personen, die direkt mit dem Thema der Behandlung von chronischen Wunden verbunden sind (…)”

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Stichwort „Wunden” wird meistens mit Schnitt- und Stichwunden assoziiert, wofür aller Art Krimis, Romane und Actionfilme grundlegend sind. Solche Wunden, obwohl sie selbstverständlich fachlicher Behandlung und Verbände bedürfen, heilen ziemlich schnell. Viel schwieriger zur Behandlung sind sog. chronische Wunden, die sogar bei mehr als einer halben Million von Personen in unserem Land auftreten. Wenn man zu dieser Zahl Familienmitglieder zurechnet, die sich um diese kümmern, steigt diese Zahl bis auf 1,5 Million von Personen, die direkt mit dem Thema der Behandlung von chronischen Wunden und dadurch mit dem Thema der Auswahl und Wechsel von Verbänden, verbunden sind.

Behandlung von chronischen Wunden, d.h. solchen, wie diabetisches Fußsyndrom oder Dekubitus, sogar Verbrennungen, dauert häufig Monate. Es ist anstrengend für die Familie, schwierig auch für die Betroffenen selbst. Broschüre, die Sie in Ihren Händen halten, bezweckt die Vertrautmachung mit modernen Behandlungsmethoden von chronischen Wunden in einer feuchten Umgebung, nach den Grundsätzen der Forscher. Wir hoffen, dass ein Paar dieser Seiten eine Einführung zum Thema und ein Tipp werden, wie chronische Wunden in moderner Weise erfolgreicher und schneller zu behandeln sind.

Wenn wir von moderner Behandlung von chronischen Wunden sprechen, wollen wir die Vorteile der traditionellen Verbände nicht herabsetzen. Traditionelle Verbände aus Mullstoff, Bandagen oder Pflaster sind gut! Niemand stellt ihre Wirksamkeit in Frage, weil sie äußerst zuverlässig sind, und zwar bei der Behandlung von akuten Wunden (d.h. solchen, die z.B. mechanisch entstanden sind, wie Schnitt-, Stich-, Schiesswunden und Abschürfungen). In solchen Fällen finden selbstverständlich sterile Verbände aus Mull und Pflaster ihre Anwendung.

EFFEKTIVE BEHANDLUNG VON CHRONISCHEN WUNDEN

Im Fall chronischer Wunden (wie Dekubitus, Verbrennungen, diabetisches Fußsyndrom) wurde schon vor 40 Jahren entdeckt und präzisiert, welche Bedingungen die Heilung begünstigen. Das ist ein Gegenteil zu dem, was die traditionellen Verbände garantieren. Es stellt sich heraus, dass eine chronische Wunde schneller heilt, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • feuchte Umgebung der Wundbehandlung – begünstigt die natürliche Wundreinigung, Regeneration von vorher beschädigten Geweben und mindert Schmerzen. Dadurch heilt die Wunde ca. 50% schneller;
  • gesenkter pH-Wert – mit gesenktem pH-Wert wird der Säuregehalt in der Wundumgebung erhöht, was die Bakterienverehrung hemmt;
  • dichter Abschluss der Wunde (Okklusion) – schützt die Wunde vor deren Infizierung mit Bakterien aus der Patientenumgebung. Verwendung von Verbänden aus Polyurethan-Sonderschwamm schützt die Wunde auch vor mechanischen Beschädigungen;
  • feste Temperatur – Erhaltung von fester Temperatur auf dem Niveau von ca. 37°C beschleunigt die Zellenteilung, und die Regeneration der beschädigten Gewebe.

leczenie_ran_przewl_w_srod_wilgot_8EIGENSCHAFTEN EINES PERFEKTEN

Als Fortsetzung der Forschungen von George Winter, die seit 1962 geführt wurden, sammelte und fasste William Tuner deren Ergebnisse zusammen, die er 1979 präsentierte und dabei die Eigenschaften eines perfekten Verbands definierte. Nach W. Turner soll ein Verband, der nach dem modernen (feuchten) Modell der Wundbehandlung die Heilung unterstützt:

  • optimale Feuchtigkeit in der Wunde halten,
  • übermäßigen Erguss und toxische Komponenten beseitigen,
  • die Wunde thermisch isolieren,
  • Gasaustausch zwischen der Wunde und Umgebung zulassen,
  • undurchlässig für Bakterien und andere Mikroorganismen sein,
  • frei von toxischen Partikeln und Substanzen sein,
  • Schutz der neuentstandenen Geweben sein,
  • sich einfach aus Wundfläche ohne Verletzung beseitigen lassen.

Verbände, welche die o.g. Kriterien erfüllen, schaffen eine feuchte Umgebung, was die wichtigen Vorgänge in der Wunde begünstigt, so dass der Heilungsvorgang ca. 50% schneller verläuft, mit geringerem Schmerz und Einschränkung vom Infektionsrisiko.

Warum ist trotz der breiten Auswahl an modernen Fachverbänden die Anpassung des Verbands eine schwierige Sache?

Gute Erkennung der Vorgänge im Verlauf der Wundheilung hatte die Spezialisierung der Verbände zur Folge, was zur Entwicklung vieler deren Arten mit unterschiedlichen Eigenschaften führte. Paradoxerweise bereitet die große Vielfalt der Verbände Probleme mit guter Auswahl in einer bestimmten Situation. Es ist nicht zu vergessen, dass die Entscheidung über die Anwendung des jeweiligen Verbands dessen Wirksamkeit determiniert.

WIE WIRD DER VERBAND AN DIE WUNDE ANGEPASST?

Es scheint, dass man bei der Auswahl des Verbands zwei grundsätzliche Kriterien zu erfüllen hat – es ist nicht zu vergessen, dass es nach der modernen Betrachtungsweise der Wundbehandlung keinen perfekten Verband gibt, der den Anforderungen jeder Wunde gerecht wird, sowie dass die Auswahl bewusst sein muss und auf richtiger Erkennung der verlaufenden Vorgänge in der Wunde und der an diese Vorgänge anliegende Eigenschaften des anständigen Verbands beruhen.

Um die richtige Auswahl des Verbands zu erleichtern, können wir die Einstufung, die sich an die Erscheinungen anlehnt, welche in den einzelnen Phasen der Wundheilung erfolgen, sowie die aufgrund dieser Erscheinungen beschriebene „bunte“ Bewertungsskala nutzen.

Die Skala besteht aus vier Farben, die an die jeweiligen Stadien der Wundheilung angepasst sind.

Die Auswahl des Verbands, nach Einstufung der Wunde in dem Farbensystem wird einfacher, weil uns Wunden mit derselben Farbe (Typ) ähnliche Herausforderungen stellen, und dadurch ähnlichen Vorgehens bedürfen.

„SCHWARZE” WUNDE – NEKROSEGEWEBE

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ZWECK DER BEHANDLUNG:

  • Beseitigung von Nekrosegewebe

WUNDCHARAKTERISTIK:

  • in Form eines dehydratisierten, nekrotischen Gewebes
  • nekrotisches Gewebe bedeckt die ganze Wunde oder tritt örtlich in Form von Lappen auf
  • Erguss – gering (bis auf den Moment, in dem sich die Nekrose in ein flüssiges Sekret ändert und vom gesunden Gewebe trennt)
  • nekrotisches Gewebe hemmt den Heilungsvorgang – das ist die Infektionsquelle des gesunden Gewebes, es bildet eine Barriere für das neuentstehende Gewebe

VORGEHEN:

  • erforderlich ist die Beseitigung des nekrotischen Gerinnsels vom Chirurgen oder durch Autolyse mit Erhaltung der feuchten Umgebung

EMPFOHLENE VERBÄNDE:

„GELBE” WUNDE – KOLLIQUATIONSNEKROSE

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ZWECK DER BEHANDLUNG:

  • Nekrosebeseitigung und Vorbereitung des Bettes für die Granulation

WUNDCHARAKTERISTIK:

  • Wunde creme-gelb, fibrös
  • Erguss: stark, mittelstark, selten gering

VORGEHEN:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung der Wunde
  • Ergusskontrolle

EMPFOHLENE VERBÄNDE:

  • Medisorb A – tiefe Wunden mit starkem oder mittelstarkem Erguss
  • Medisorb P – oberflächliche Wunden mit mittelstarkem Erguss
  • Medisorb P PLUS – oberflächliche Wunden mit starkem Erguss
  • Medisorb H – Wunden mit geringem und mittelstarkem Erguss
  • Medisorb G – infizierte Wunden mit geringem Erguss (begünstigt die Wundreinigung durch Verbindung des vorher hydratisierten nekrotischen Gewebes mit Mikroorganismen, die sie bewachsen)

„ROTE” WUNDE – GEWEBE MIT GRANULATION

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ZWECK DER BEHANDLUNG:

  • Erhaltung der feuchten Umgebung, die die Granulation begünstigt
  • Ergusskontrolle

WUNDCHARAKTERISTIK:

  • Wunde hellrot, feucht
  • Wundfläche ungleich
  • Gewebe weich, schmerzempfindlich, infektionsanfällig

EMPFOHLENE VERBÄNDE:

  • Medisorb AMedisorb P oder Medisorb P PLUS – Wunden mit starkem oder mittelstarkem Erguss
  • Medisorb H – Wunden mit mittelstarkem und geringem Erguss
  • Medisorb G – infizierte Wunden mit geringem Erguss (begünstigt die Wundreinigung durch Verbindung des vorher hydratisierten nekrotischen Gewebes mit Mikroorganismen, die sie bewachsen)
  • Medisorb A – im Falle infizierter Wunden mit starkem Erguss

ROSAFARBIGE” WUNDE – EPITHELBILDENDES GEWEBE 

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ZWECK DER BEHANDLUNG:

  • Schutz des neuen Gewebes
  • Stimulation des Epidermitwachstums

WUNDCHARAKTERISTIK:

  • auf der Wundfläche ist ein rosafarbiges oder weißes Gewebe zu sehen
  • Epithelzellen migrieren aus den Wunderändern ins Bett

VORGEHEN:

  • Stimulation oder Erhaltung des Epidermiswachstums
  • Erhaltung der feuchten Umgebung der Wunde
  • Schutz vor mechanischen Verletzungen

EMPFOHLENE VERBÄNDE:

Anpassung des Verbands an die Herausforderung

Fot. 1. Anpassung des Verbandes an die Herausforderung